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Moskau MGIMO 2010

Studenten auf Russland-Entdeckung

Als Global Player und wichtiger Kooperationspartner für Deutschland und die EU ist Russland nicht mehr wegzudenken. Aber wie sieht diese Partnerschaft aus russischer Perspektive aus? Wie wird in Moskau mit der gemeinsamen Geschichte umgegangen? Was denken die jungen Russen von heute, wo die Beziehungen zu Deutschland hinführen? Sieben Studenten der Europawissenschaften aus Berlin wollten es genauer wissen und reisten für eine Woche zu einem wissenschaftlich- kulturellen Austausch nach Moskau.

Der Austausch zwischen dem Postgraduierten Studiengang Europawissenschaften und dem Deutschlandstudienclub des Moskauer Staatlichen Institut für Internationale Beziehungen (kurz MGIMO) wurde von den Studierenden durch viel Engagement und auf Basis persönlicher Kontakte organisiert und dank der Kooperation von MGIMO und FU möglich gemacht. Während des Aufenthalts hatten wir Gelegenheit gemeinsam mit den russischen Studenten sowie  Professoren und Praktikern aus Politik, Wirtschaft und Recht über die deutsch-russischen und europäisch-russischen Beziehungen aus verschiedenen Perspektiven zu diskutieren.

So haben wir zum Beispiel in einem Seminar mit einem Doktor der Geschichte an der MGIMO Universität über die traditionelle Freundschaft zwischen dem deutschen und dem russischen Volk in Vergangenheit und Gegenwart gesprochen. Dabei wurden auch schwierigere Themen wie die Russischen Revolution und die beiden Weltkriege behandelt. In anderen Seminaren, z.B. mit der Leiterin der NGO für historische Aufarbeitung und Menschenrechte „Memorial“, wurde gemeinsam, und teils auch kontrovers, mit den russischen Studenten über die Rolle des Sozialismus für die russische Geschichte und dessen heute unterschiedliche Bewertung in Russland und Europa diskutiert.

Bei einem Treffen mit dem deutschen Botschafter sowie einem Gespräch mit dem Leiter der Deutschland-Abteilung des russischen Außenministeriums haben wir aus beiden Perspektiven die praktische Seite der deutsch-russischen Beziehungen kennengelernt. Auch hier gab es einen wichtigen Meinungsaustausch über etwa die Visums-Freiheit oder der Energiepartnerschaften.

Zusätzlich zu den Gesprächen mit Fachleuten wurden Exkursionen zu historisch bedeutsamen Stätten organisiert. Eine Besichtigung des Kremls und der Ruhestätte Lenins, ein Besuch des Siegesparks und die Besichtigung eines stalinistischen Bunkers aus dem Kalten Krieg standen unter anderem mit auf der Agenda.

Durch die Unterbringung im Studentenwohnheim konnten die Kontakte zu den russischen Kommilitonen auch außerhalb der Seminare und Exkursionen gepflegt werden. Bei gemeinsamen Abenden der russischen Kultur oder der russischen Küche konnten wir uns auch ganz informell kennenlernen und einen Einblick in den Alltag der Partner gewinnen.

Die Reise war für uns sowohl wissenschaftlich als auch menschlich eine sehr wertvolle Erfahrung. Die Gastfreundschaft unserer neuen russischen Freunde erfüllte uns mit Freude und der rege Austausch ermöglichte uns einen spannenden Einblick in den Alltag und die Denk- und Arbeitsweisen des modernen Russlands.

Wir bedanken uns bei der FU und der MGIMO, sowie bei den russischen Studenten und können den Studiengang und die uns nachfolgende Generation von Europawissenschaftlern nur dazu ermuntern, diesen beidseitigen Austausch auch in Zukunft fortzusetzen.

Text: Jennifer Taylor, Frank Möhring Fotos: Marie Fol, diogenis.org